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Wozu Schlaf gut ist

Das Wort „Schlaf" stammt aus dem altgermanischen (slaf) und bedeutet ursprünglich „schlapp und schlaff werden". Auch das englische „sleep" geht auf diesen Wortstamm zurück.
Für die Mehrzahl der Menschen ist der tägliche Schlaf so selbstverständlich, dass sie sich über ihn gar keine Gedanken machen. Wie wichtig Schlaf für uns ist, rückt erst in unser Bewusstsein, wenn wir gerne schlafen würden, aber nicht können.
Sobald wir einschlafen, wechseln wir unseren Bewusstseinszustand und treten in die Welt des Unbewussten ein. Wir fühlen, hören und sehen nur noch unbewusst und empfinden im Nachhinein den Schlaf wie das Leben in einer anderen Welt, die uns noch ziemlich verschlossen ist.

Abtauchen in die Traumwelt 
Während wir schlafen, verlieren wir auch einen Teil unserer Schutzfunktionen und liefern uns machtlos Gefahren aus. So sind zum Beispiel Diebstähle in Schlafwagen keine Seltenheit. Der Schlaf erscheint uns manchmal gar wie ein kleiner Tod, vielleicht deshalb, weil wir uns so regungslos und ungeschützt unserem Umfeld aussetzen.

Doch es gibt Thesen, die genau das Gegenteil behaupten, nämlich dass die Welt des Schlafenden das eigentliche Leben sei, weil sich dann die Seele ungestört von der Umwelt mit sich selbst beschäftigen kann. Wie heißt es so schön: „Wer schläft, sündigt nicht".

Der Schlaf ist aber auch die Zeit, in der wir uns regenerieren, um im Wachzustand wieder genug Energie für unsere Aufgaben zu haben. So senkt sich die Atemfrequenz, Puls und Blutdruck werden langsamer und die Gehirnaktivitäten ändern sich.
Schlaf ist also weit mehr, als was wir so landläufig darunter verstehen.

Energie tanken
Oft wird uns heutzutage die Zeit zu knapp. Der Tag ist bei vielen von uns von der ersten bis zur letzten Minute verplant. Wir sind effektiv wie noch nie zuvor und würden oftmals gerne noch das eine oder andere zusätzlich in unseren Tag hineinpacken.

Da stellt sich schon manchmal die Frage, ob es nicht mit ein bisschen weniger Schlaf auch ginge. Wer ausreichend lange schläft, verbraucht dabei immerhin knapp ein Drittel seiner gesamten Lebenszeit. Das muss doch zu optimieren sein, oder?

Leider nicht, denn unser Körper verfügt nur über begrenzte Energiereserven, ähnlich einem Akku, der immer wieder aufgeladen werden muss. Eine allgemeingültige Maßgabe, wie lange der Einzelne schlafen sollte, gibt es übrigens nicht. Die meisten Menschen schlafen in Deutschland zwischen sieben und acht Stunden. Es gibt aber auch Menschen, die neun und mehr Stunden Schlaf benötigen, aber auch Menschen, die mit fünf Stunden Schlaf auskommen. Mit zunehmendem Alter nimmt bei vielen Menschen der Schlafbedarf etwas ab und pendelt sich oft auf zirka sechs Stunden ein. Interessant ist dabei, dass alle Schläfer ungefähr gleich viel Zeit in der Tiefschlafphase verbringen.

Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum kein Mensch gesund bleiben kann, der dauerhaft weniger als fünf Stunden schläft. In Experimenten wurde festgestellt, dass darüber hinaus gehender Schlafentzug zu körperlichen und psychischen Problemen führt. Schon nach vier Tagen ohne Schlaf stellen sich Wahrnehmungsstörungen und Wahnideen ein. Schlafentzug ist aus diesem Grund auch ein seit Jahrhunderten bewährtes Foltermittel.

Zeit zum Schlafen
Jeder Mensch hat seine eigene innere Uhr. Diese biologische Uhr bestimmt maßgeblich, ob wir Morgenmuffel und Langschläfer oder Morgenmenschen sind. Im Rahmen des kulturellen, sozialen und klimatischen Umfeldes pendelt sich unser Biorhythmus ein. So ist es nicht bei allen Völkern üblich, vor Mitternacht schlafen zu gehen und am frühen Morgen aufzustehen. Die Hell- und Dunkelphasen des Tages spielen interessanterweise eine untergeordnete Rolle für uns. Viel wichtiger sind dagegen die Arbeits- und Freizeiten, Schule und öffentliches Leben. In südlichen Ländern halten zum Beispiel viele Menschen während der großen Hitze einen Mittagsschlaf.
Wichtig für einen erholsamen Schlaf ist also, dass der Zeitraum zum eigenen Biorhythmus passt. Den Verlauf des Biorhythmus kann man übrigens anhand der Körpertemperatur messen.

Die verschiedenen Schlafphasen
Der Schlaf verläuft nicht während der ganzen Schlafenszeit einheitlich, sondern wechselt zwischen verschiedenen Schlafphasen hin und her. Im Wesentlichen unterscheidet man zwei Grundformen des Schlafes:

  • den REM-Schlaf (Rapid-Eye-Movement) und den
  • Non-REM-Schlaf.
Der Unterschied zwischen den beiden Schlafphasen ist dabei so unterschiedlich wie zwischen Schlaf- und Wachzustand. Die einzelnen Schlafphasen lassen sich entsprechend ihrer Abfolge wie nachstehend aneinanderreihen:


Sobald man es sich bequem gemacht hat und seine Einschlafstellung gefunden hat, ändert sich nach und nach die elektrische Hirnspannung. In dieser ersten Schlafphase können wir noch sehr leicht aufwachen, zum Beispiel bei Geräuschen. Je tiefer wir in den Schlaf eintauchen, desto mehr entspannt sich unsere Psyche und unser Bewusstsein schwindet. Es folgt das Erschlaffen der Muskeln, das uns manchmal durch ein kräftiges Zucken oder durch das Gefühl des Fallens bewusst wird, dann senkt sich die Herzfrequenz, der Atem wird ruhiger und unsere Augenbewegungen nehmen zu.

Dieser Teil dauert nur ein paar Minuten, dann fangen die Augen an, sich langsam scheinbar ziellos zu bewegen. Diese Einschlafmodalitäten wiederholen sich zwischen den einzelnen Schlafphasen in einer Nacht mehrmals.

Im nächsten Schritt vertieft sich der Schlaf weiter und die Augen bewegen sich immer seltener. Die Hirnstromfrequenzen steigen an. In dieser Phase können, in Abhängigkeit von dem Erlebten, Träume mit starkem Realitätsbezug in unterschiedlich starker Ausprägung stattfinden.

Im Anschluss daran erreichen wir den Zustand des größten Tiefschlafes, in der die Augenbewegungen immer noch langsam sind. Die Wissenschaft ist sich inzwischen einig darüber, dass dies der Schlaf mit dem größten Erholungswert ist. In dieser Phase regeneriert sich auch zum Beispiel unser gesamter Körper inklusive des Immunsystems.

Wenn während dieser Schlafphase der Wecker oder das Telefon klingelt, sind wir oft wie benommen und benötigen zum Teil mehrere Minuten, bis wir uns orientieren können und die Realität wahrnehmen. Wer einmal so unliebsam geweckt wurde, dem fällt das Einschlafen danach oft wieder schwer. Diese erste Tiefschlafphase dauert ungefähr zwischen eineinhalb und zwei Stunden.

Nach jeder Tiefschlafphase folgt die so genannte REM-Phase (Rapid Eye Movement), in der wir die intensivsten Träume haben. Die Bewegung der Augen nimmt stark zu, Puls und Atmung erhöhen ihre Frequenz und die Hirnströme sind aktiver als im normalen Wachzustand. Wer in dieser Phase aus dem Schlaf geweckt wird, kann sich meist sehr gut an seinen Traum erinnern, in dem er gerade noch war. Diese Schlafphase kommt übrigens unserem Wachzustand am nächsten.

So wie die Tiefschlafphasen immer kürzer werden, werden die REM-Phasen im Laufe des Schlafes immer länger. Sie beginnen mit zirka zehn Minuten und können bis zu zwei Stunden und länger andauern. Dies erklärt auch, warum wir uns an die meisten Träume in der Morgenzeit erinnern können.

Gemessen werden die einzelnen Schlafphasen mit dem EEG (Elektroenzephalogramm), bei dem unsere Hirnstromaktivitäten erfasst werden.

Wenn der Schlaf getört ist
In der Ärztezeitung Online vom 2.7.2002 ist Folgendes zu lesen: Jeder sechste ABC-Schütze hat Ein- und Durchschlafstörungen, 14 Prozent haben Alpträume. 59 Prozent der Kinder mit Schlafstörungen sind tagsüber unruhig und überaktiv, 75 Prozent unkonzentriert. Dies ist das Ergebnis einer Studie an der Universität Köln.
Patienten mit Insomnie haben ein zwei- bis vierfach erhöhtes Risiko, an einer Depression zu erkranken.
Die volkswirtschaftlichen Kosten durch Schlafstörungen und deren Folgen, zum Beispiel Unfälle, werden in Deutschland auf mehrere Milliarden Euro pro Jahr beziffert. Ein 24-stündiger Schlafentzug entspricht der Wirkung von einem Promille Alkohol.

In Deutschland haben sehr viele Menschen ab und zu Schlafstörungen. Zumeist treten sie beim Einschlafen oder einem vorzeitigen Erwachen am Morgen auf, in weniger häufigen Fällen auch in Form von unruhigem Schlaf und mehrmaligem Aufwachen in der Nacht.

Vorsicht mit Schlaftabletten
Schlafmittel sollten bei Schlafstörungen allerdings nur in Notfällen angewendet werden. Dennoch fällt offenbar vielen der Griff zu den künstlichen Einschlafhilfen leicht, wie die Verkaufszahlen dieser Medikament belegen. Schlafmittel sollten aber nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden, zumal sie auch - wie die meisten Arzneien - unerwünschte Nebenwirkungen haben können.

Die wichtigsten Nebenwirkungen sind:

  • Schlafmittel bewirken keinen natürlichen Schlaf.
  • Schlafmittel verändern die Schlafphasen.
  • Die Wirkung der Schlafmittel endet nicht nach dem Aufwachen und kann sich unter Umständen auch negativ auf eine Beteiligung im Straßenverkehr auswirken.
  • Bei häufiger, kontinuierlicher Einnahme können Abhängigkeiten und Sucht entstehen.

Leichte und selten auftretende Schlafstörungen müssen nicht gleich ein Anlass zur Sorge sein. Zunächst können sie Ausdruck dafür sein, dass Sie Enttäuschung, Ärger oder Dinge, die Sie absolut nicht vergessen dürfen, beschäftigen. Auch eine Erkältung oder eine ungewohnte Umgebung können Gründe für kursfristige Schlafstörungen sein. Bei allen anderen Formen von Schlafstörungen sollten Sie unbedingt mit Ihrem Arzt darüber sprechen.

Folgende Tipps können Ihnen das Ein- oder Durchschlafen erleichtern:

  • Schlafen Sie in einem kühlen und ruhigen Raum.
  • Sorgen Sie für ausreichend frische Luft.
  • Investieren Sie lieber ein paar Euro mehr in eine vernünftige und nicht zu weiche Matratze.
  • Trinken Sie nicht zu viel Alkohol.
  • Nehmen Sie abends kein Koffein mehr zu sich.
  • Essen Sie abends keine schweren Mahlzeiten.
  • Gehen Sie möglichst immer zur gleichen Uhrzeit ins Bett.
  • Achten Sie auf Wasseradern unter Ihrem Schlafzimmer.
  • Benutzen Sie atmungsaktive Bettwäsche und Bettzeug, um Schwitzen zu vermeiden.
Quellen für diesen Bericht: MedizInfo, Jürgen Wehner, Das Geheimnis des Schlafes von Alexander Borbély, Wikipedia Lexikon, Ärzte Zeitung Online, Fachverband Schlafapnoe und chronische Schlafstörungen, Bilder: © Copyright Fotalia Bildarchiv




Interessante Links zu diesem Thema
Fachverband Schlafapnoe und chronische Schlafstörungen www.vdk-schlafapnoe.de
Ärztezeitung Online www.aerztezeitung.de/docs/2...
Geheimnis des Schlafes www.pharma.unizh.ch/sleep/b...




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