Warum ist Familie für uns so wichtig?
Viele wünschen sie sich und viele haben und hatten sie schon – die gesunde Familie. Was ist das eigentlich was wir alle so schätzen und uns wünschen?
Grundsätzlich verbindet die Familie uns biologisch und sozial. Weiterhin sorgt sie für neue Familienmitglieder und damit für das Fortbestehen der Gesellschaft. Sie bietet uns Schutz (körperlich, geistig und finanziell), hilft uns bei der Orientierung und vermittelt soziale, kulturelle und religiöse Werte. Seit jeher hat die Familie Anteil an der sozialen Absicherung und bietet die Möglichkeit zu Arbeitsteilung.
Unser erstes System in das wir hineingeboren werden ist unsere Familie. Unsere ersten Bezugspersonen sind unsere Eltern, und wir suchen bei ihnen - bewusst oder unbewusst - Liebe, Zuwendung und Schutz. Ist diese erste Beziehung gestört, dann ist auch die Grundordnung gestört, und die Seele versucht, diese Lücke in unserer Persönlichkeit auszufüllen.
Verändert sich die Familie durch den Geburtenknick?
Mit den Veränderungen unserer Alterspyramide jedoch verändert sich sukzessive die Struktur der Familie, ob wir es wollen oder nicht. Aufgrund der vielen Einkindehen gibt es zunehmend weniger horizontale Verwandtschaftsbeziehungen (Geschwister). Dies bedeutet immer mehr Menschen sind im zunehmenden Alter auf sich allein gestellt, weil keine gleichaltrigen Familienangehörigen mehr da sind.
Durch den Verlust der Großfamilie nehmen auch die vertikalen
Familienbeziehungen stetig ab. Im Klartext bedeutet dies,
dass das Thema Kindererziehung immer mehr alleine an den Eltern hängt, die Großeltern spielen in der Kindererziehung zunehmend eine kleinere Rolle.
Soweit die demographischen Fakten, denn darüber hinaus hat die emotionale Bindung einen wesentlich Anteil an unserem Verhalten gegenüber der Außenwelt. Im Mittelpunkt stehen Gemeinsamkeiten, Vertrauen und eine emotionale Verbundenheit. Damit wir besser für Lebenskrisen und Konflikte gewappnet sind.
Die Beziehung zwischen Kindern und Eltern wird daher ständig intensiver, daher stehen Eltern heute den Kinder oft auch nach dem Auszug aus dem elterlichen Haus mit Rat und Tat zu Seite.
Sind wir nur weil Frank Schirrmacher uns über seine Bücher „Das Metusalem-Komplott" und „Minimum" die desaströse Zukunft der Baby-Boomer-Generation verdeutlicht hat auf einmal auf dem Familientrip?
So plädiert Eva Herman für eine Rückkehr zur traditionellen Wahrnehmung der Geschlechter, um die Familie und damit die ganze Gesellschaft vor dem Aussterben zu bewahren. Auf der Suche nach Bestätigung haben sich die Frauen in eine männliche Rolle drängen lassen, so Eva Herrman, und nun haben sie auch den letzten Schritt vollzogen: Sie wollen nicht mehr gebären. Der Schlüssel zur Änderung der dramatischen gesellschaftlichen Situation sind die Frauen, erklärt Eva Herman.
Ist die traditionelle Familie wirklich die Lösung?
Ist denn der strenge autoritären Rahmen in dem sich die ursprüngliche Familie bewegt hat vergessen? Frauen benötigten noch in den 50iger Jahren die Erlaubnis des Mannes wenn Sie arbeiten wollten, von den Kindern ganz zu schweigen. Und ist die Familie nicht seit jeher der Ursprung für schwere körperliche und seelische Verletzungen gewesen? Wieso gibt es Jungendamt, Frauenhäuser, Familielnpsychologen und andere Institutionen?
Erst seit Herbst 2000 ist es in Deutschland auch Eltern verboten, ihre Kinder zu schlagen. Damals wurde ein Gesetz beschlossen, das Kindern ein "Recht auf Erziehung ohne Gewalt" zuspricht.
Erinnern wir uns noch einmal daran, das vom Ende der 60iger Jahre bis Anfang der 80iger Jahre viele tausend junge Menschen es nicht abwarten konnten von zu Hause auszuziehen. Viele brachen damals für ein paar Jahre den Kontakt zur Familie komplett ab und reisten durch die Welt. Eine große Anzahl zog auch in Wohngemeinschaften oder wanderte in andere Länder aus, denn sie hielten es Zuhause einfach nicht aus.
Die Frage: „Was ist mit den Frauen die inzwischen gelernt haben zu machen was sie wollen, von der Karriere angefangen bis hin zur Selbstverwirklichung", würde zudem nicht beantwortet werden, denn die Frauen werden nicht mehr für die reine Hausfrau-, Ehefrau- und Mutterfunktion zu begeistern sein.
Wer zurück in die Familie von früher blicken möchte, der sollte einfach in die heutige arabische Welt schauen, in der Familie noch „wie früher" gelebt wird.
Das dies für die meisten von uns kein gangbarer Weg mehr ist, steht wohl außer Frage.
Wie kann sich Familie heute und in der Zukunft definieren?
Es gibt sicherlich kei
ne Rückkehr in eine heile Welt wie Eva Herman sie beschreibt, sondern vielmehr steckt unsere Chance in der weiteren evolutorischen Entwicklung der Familie. Dabei sind Kreativität, Toleranz und Mut gefragt.
Die Familie wird sich neu definieren. Ein erstes Ergebnis sind die so genannten Patchwork-Familien in die beide Partner Kinder aus einer jeweils anderen Partnerschaft mitbringen.
Dass dies für die Kinder nicht unbedingt schlecht sein muss belegt die Tatsache, dass der Mensch stärker als andere Lebewesen von seiner Umwelt geprägt wird. Eine neue, zusätzliche erwachsene Person im direkten Umfeld des Kindes kann, abhängig davon, wie sich der leibliche Elternteil verhält, deshalb durchaus eine Bereicherung (Mentor) für das Kind sein.
Das sukzessive Zusammenwachsen von Privatbereich und Beruf in Form von vielen Homeoffice-Arbeitsplätzen und die immer häufiger vorkommende Teilung des Erziehungsurlaubes bringt erstmals seit dem Beginn der Industrialisierung die Familie wieder mehr zusammen.
Die Zukunftsforschung prognostiziert uns sogar eine Arbeitswelt, in der schon 2020 nur noch maximal 40% der arbeitenden Bevölkerung ein festes Anstellungsverhältnis haben, der große Rest wird in Form von freien Dienstleistern und Unternehmern sein Einkommen bestreiten. Das finanzielle Risiko wird also sowohl auf der Einkommensseite, wie auch auf der Renten- und Krankenversicherungsseite für den einzelnen größer.
Für die Übergangszeit müssen wir uns mit bezahlbaren und in ausreichender Anzahl zur Verfügung stehenden Provisorien, wie Kinderkrippen, Kindergärten, Ganztagsschulen und Mittagsbetreuung behelfen. Das hier das eine oder andere Mal noch klappern wird, weil der Weg zu einer neuen Form der Familie auch manches Mal steinig sein wird, darf nicht verschwiegen werden.
Die vielen inzwischen privat organisierten Mütternetzwerke springen heute schon da ein wo die kommunale Fürsorge Lücken hat.
Der Individualismus hat also seinen Preis. Damit verbunden ist aber die Chance auf mehr Selbstbestimmtheit, Eigenverantwortung und Selbstverwirklichung nicht nur als Single sondern vor allem zusammen mit der Familie, denn das familiäre Netzwerk wird aufgrund der ständig größer werdenden finanziellen Risiken immer wichtiger.
In dieses familiäre Netzwerk werden künftig auch gute Freunde integriert sein, um die Risiken auch im Alter immer besser zu meistern.
Es gibt also noch nicht den Königsweg zu einer gesunden Familie, aber viele richtige Ansätze und Entwicklungen die jeder einzelne für sich prüfen sollte.
Quellen für diesen Bericht: Wikipedia; Historisches Institut der RTWH Aachen, Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, SpiegelOnline, und sonstige in Büchern und im Internet durchgeführte Recherchen, Bilder: © Copyright Fotalia Bildarchiv
| Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend | www.bmfsfj.de |
| Historisches Institut der RTWH Aachen | www.histinst.rwth-aachen.de |
| berufundfamilie GmbH - eine Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung | www.beruf-und-familie.de |
| Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend | www.lokale-buendnisse-fuer-... |
| Zeitschrift Eltern | www.eltern.de |
| ZBFS Bayerisches Landesjugendamt | www.elternimnetz.de |
| Karl Kübel Stiftung | www.kkstiftung.de |
| Vitawo GmbH | www.vitawo.de |
| Praxis für Integrale Therapi | www.integrale-therapie.com/... |